Vier Punkte in vier Tagen: TBV gewinnt Herzschlagfinale gegen BHC

Lukas Zerbe – © Sportfoto-Sale (MK)

Lemgo. (PM TBV) Bis zur 50. Minute hatte nicht viel auf diesen Ausgang hingedeutet: Doch mit der dritten Führung im Rücken bog der TBV in der Crunchtime auf die Zielgerade ein – und legte ein Finale furioso hin.

Durch das 31:28 (13:14) gegen den Bergischen HC feiert der TBV Lemgo Lippe in der Liga den dritten Sieg in Serie – und lässt die Wuppertaler damit auch in der Tabelle hinter sich.

Zum Spiel: Wer von den 3316 Zuschauern in der Phoenix Contact-Arena einen verhaltenen Beginn erwartet hatte, wurde prompt eines Besseren belehrt: Lukas Hutecek brachte die Lipper zwar mit dem ersten Angriff in Führung, doch der BHC drückte in der Anfangsphase mächtig aufs Gaspedal, profitierte dabei vor allem von den Ungenauigkeiten der Lemgoer Würfe. Nutznießer war BHC-Linksaußen Tim Nothdurft, der als Zielspieler gleich mal einen Hattrick schnürte und auf 1:3 stellte (4.). Während der TBV mit gewohnter Geduld seine Angriffe aufzog, jedoch zunächst noch etwas die Zielstrebigkeit vermissen ließ, suchte das Team von Gästetrainer Jamal Naji sein Heil im Tempospiel – und überrumpelte die Lipper damit auch beim 2:5 durch Tomas Babak.

Doch Lemgo zeigte sich unbeeindruckt. Tim Suton brachte den TBV fast schon im Alleingang zurück ins Spiel. Nach seinem dritten Treffer zum 5:6 bot sich den Lippern erstmals die große Chance auf den Ausgleich, doch Samuel Zehnder konnte den Gegenstoß nicht vollenden und scheiterte frei an Ex-Lemgoer Peter Johannesson. In der Folge schaffte es der nun stabiler wirkende Gastgeber jedoch, die Gäste immer öfter in den Positionsangriff zu zwingen – und das schmeckte dem Tabellenzehnten weniger. Dennoch war es der BHC, der in der Folge stets vorzulegen wusste.

Auch auf Nothdurfts Gegenstoß zur 9:12-Führung (22.) für den BHC, der ein Lemgoer Offensivfoul vorausgegangen war, zeigte der TBV eine gute Reaktion: Erst verkürzte Leos Petrovsky, ehe ihm prompt auch in der Abwehr ein Steal gelang. Bobby Schagen, der diesmal von Beginn an randurfte, markierte den Anschluss. Finn Zechers starke Parade gegen Lukas Stutzke leitete den Ausgleich von Hutecek ein, der sich einmal mehr die Lücke in der BHC-Zentrale suchte. Kurz vor der Pause witterten die Lipper die Führung, doch Zehnder scheiterte gleich zweimal vom Punkt. So brach Versteijnen zum 13:13 durch, ehe Fredrik Ladefoged auf der anderen Seite zum 13:14-Pausenstand traf.

Mit drei Wechseln starteten die Lipper in die zweite Halbzeit: Urh Kastelic ersetzte Zecher, Lukas Zerbe und Leve Carstensen (anstelle von Schagen und Zehnder) bildeten die neue Flügelzange. Die Umstellungen änderten zunächst jedoch wenig an der Dramaturgie: Der Bergische HC blieb spielbestimmend, Lemgo hielt leidenschaftlich dagegen, wirkte etwas spritziger im Angriff, haderte allerdings ein wenig mit der Chancenverwertung. Suton brach nach fünfeinhalb Minuten den Torlos-Bann zum 14:16.

Bis zur 45. Minute allerdings deutete wenig auf eine Wende hin. Der BHC fand offensiv immer wieder Lösungen, Lemgo blieb in Schlagdistanz. Als Zerbe auf 19:21 verkürzt und Kastelic sich als Sieger im Duell mit Andersen behauptet hatte, schaltete Lemgo blitzschnell um und stellte durch Zerbe den 20:21-Anschluss her. Kurz darauf vereitelte Kastelic auch den Einschlag von Yannick Fraatz. Jetzt war Feuer unterm Dach, der TBV am Drücker: Zerbe verwandelte einen von Petrovsky herausgeholten Strafwurf, wieder blieb Kastelic daraufhin Sieger gegen den heranrauschenden Andersen. Lemgo schaltete ins Sieben-gegen-sechs, Leve Carstensen traf zum 22:21. Doch zwei technische Fehler brachten die Gäste schnurstracks zurück ins Spiel (22:23).

Es blieb unheimlich spannend – und Lemgos Deckung wuchs über sich hinaus: Mit Anbruch der 54. Minute vollzog Hutecek den Gegenstoß zum 26:26. Einen Ballgewinn Theilingers nutzte Lemgos Spielmacher zur erneuten Führung (27:26). In der TBV-Abwehr griff ein Rädchen ins andere, es reihte sich Ballgewinn an Ballgewinn. In zunehmend hitziger Atmosphäre schlüpfte einmal mehr Hutecek in die Rolle des Entscheiders, suchte immer wieder das Eins-gegen-eins – und war kaum noch zu stoppen. Einen hieraus resultierenden Strafwurf verwandelte Zerbe zum 28:27 (57.). Nachdem Suton einen weiteren Ball erhechtet hatte, erhob sich das Lemger Publikum. Hutecek traf in Minute 59 zur ersten Lemgoer Zwei-Tore-Führung an diesem Abend, ehe Carstensen den Deckel draufmachte – und das Herzschlagfinale krönte.

Die Stimme zum Spiel von Florian Kehrmann: „Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft. Wir haben eine lange Reise am Montag gehabt, hatten nur eine kurze Vorbereitungszeit, und haben nicht den allergrößten Kader, mit dem wir viel rotieren können. Wir haben heute wieder das gespielt, was uns stark macht. Entscheidend war heute, dass wir übers gesamte Spiel eine ordentliche Abwehr gestellt haben. Wir hatten in den ersten 40 Minuten das Problem, dass wir vorne zwei, drei Chancen zu viel liegen lassen. So war der BHC immer in Vorlage. Mit den wichtigen Paraden von Urh Kastelic ist dieser berühmte Funke aufs Publikum übergesprungen. Dann ist es für jede Mannschaft unangenehm, hier zu spielen. Was zwischen der 53. Und der 58. Minute passiert, sind purer Kampf und purer Wille in der Abwehr. Ich bin wirklich stolz, dass wir dieses Spiel gewonnen haben, weil der BHC zuvor sehr, sehr gute Leistungen gebracht hat und unangenehm zu bespielen ist.“

TBV Lemgo Lippe: Zecher (4/1 Paraden), Kastelic (5 Paraden); Hutecek (6), Theilinger, Zehnder (2/1), Brosch (3), Simak, Laerke, Schagen (2), Carstensen (3), Suton (5), Zerbe (7/3), Versteijnen (2), Houtepen, Petrovsky (1)

Bergischer HC: Rudeck (1/1 Parade), Johannesson (8 Paraden); Beyer (1/1), Persson, Scholtes (1), Nothdurft (7), M’Bengue, Ladefoged (3), Kjeldgaard Andersen (4), Fraatz (4), Babak (1), Arnesson (2), Morante Maldonado, Stutzke (3), Seesing (2)

5 gute Minuten sind zu wenig

Solingen. (PM BHC) Der Bergische HC hat das Bundesligaspiel beim TBV Lemgo Lippe lange angeführt und über weite Strecken kontrolliert, muss am Ende aber doch mit einer Niederlage nach Hause fahren.

Die Gastgeber hatten in der Schlussphase ihren Erfolg im siebten Feldspieler gesucht – und auch gefunden. Das 28:31 (14:13) ist aus BHC-Sicht bitter.

Denn gleich von Anfang an fanden die Gäste gut ins Spiel. Tim Nothdurft erzielte die ersten drei BHC-Tore hintereinander, Lukas Stutzke erhöhte auf 4:1, Tomas Babak kurz darauf auf 5:2. Eine höhere Führung wäre bereits zu diesem Zeitpunkt drin gewesen, doch der BHC ließ eben auch immer wieder Gelegenheiten aus. So landete ein Wurf im Block und später ein Siebenmeter am Pfosten. Dazu leistete sich das Team auch ein paar technische Fehler.

Immer wieder war aber Verlass auf die Abwehr und Peter Johannesson, dem Paraden gelangen. Die Ballgewinne nutzten die Gäste, so dass sie fast durchgängig vorne lagen, ohne aber davonzuziehen. Christopher Rudeck, der nach einem Muskelbündelriss sein Comeback gab, glänzte bei zwei Siebenmetern, die ebenfalls einen Schub gaben. Die 14:13-Halbzeitführung war folgerichtig, wenn auch sehr knapp – aus BHC-Perspektive wohl zu knapp.

Der Start in die zweite Hälfte mit zwei Treffern von Yannick Fraatz zum 16:13 brachte die Bergischen ebenfalls nicht nachhaltig auf die Siegerstraße. Bis zur 42. Minute verwaltete die Truppe aber erfolgreich den Vorsprung. Dann begann der TBV Lemgo, taktisch umzustellen. Im Angriff spielte die Mannschaft zu siebt, das Tor blieb dafür leer. Das Rezept ging auf. Lukas Zerbe glich per Siebenmeter zum 21:21 in der 47. Minute aus, wenige Sekunden später ging Lemgo in Führung.

Eine Antwort gaben die Löwen noch. Sie eroberten zwei Mal den Ball und trafen durch Nothdurft und Fraatz ins verwaiste Tor. Eine gute Angriffsphase mit drei weiteren Treffern folgte, und die Bergischen lagen wieder 26:24 vorn. Die Lemgoer jedoch blieben beharrlich bei ihrer Überzahl-Marschroute und präsentierten sich im Angriff nun noch effektiver. Sie erweckten die gut 3300 Fans komplett, trafen drei Mal in Serie und übernahmen in den letzten fünf Minuten die Kontrolle, die der BHC 45 Minuten lang gehabt hatte. Die Löwen wirkten hektisch, vergaben ihre letzten Chancen und verließen spürbar enttäuscht und frustriert das Feld.

Löwengebrüll – Stimmen zum Spiel

Jamal Naji: „Warum die letzten Minuten jetzt anders verlaufen sind als die vorherigen, das soll jeder selbstinterpretieren. Am Ende des Tages verlieren wir dieses Spiel sicherlich auch aus vielen Gründen, bei denen wir uns an die eigene Nase fassen müssen. Gegen Ende fehlt uns vielleicht so ein wenig die richtige Härte im Zweikampfverhalten. Wir haben den TBV eigentlich in vielen Zweikämpfen gestellt, aber Hutecek und Suton haben es immer wieder geschafft, die Situationen zu lösen. Sie drücken, haben richtig Power und schieben im 1-gegen-1 an. Weil wir in der Helferkette nicht nach vorne arbeiten, kriegen wir das dann nicht verteidigt. Dazu kommt das 7-gegen-6 von Lemgo, was am Anfang der Schlussphase sehr gut klappt. Wir haben damit Probleme und sie sind sehr effektiv im Abschluss. Dann holen wir uns ein, zwei Bälle und nutzen das nicht. Gegen Ende ist das Spiel einfach verrückt. Selbsterklärend haben mir daher die letzten zehn Minuten nicht gefallen.“

Florian Kehrmann: „Erst mal bin ich unglaublich stolz auf die Mannschaft. Wir hatten eine lange Reise am Montag, hatten nur eine kurze Vorbereitungszeit und haben jetzt auch nicht den aller größten Kader. Ich glaube aber, wir haben heute das gespielt, was uns stark macht. Entscheidend war heute, dass wir das gesamte Spiel eine ordentliche Abwehr gestellt haben. Vielleicht hatten wir in den ersten 40 Minuten das Problem, dass wir ein, zwei Chancen zu viel liegen lassen. Der BHC lag immer vorne und hatte die Spielkontrolle. Beim 18:21 stellen wir dann um und kommen dadurch und die Paraden von Urh Kastelic ran. Der Funke springt vom Feld auf die Halle über und dann ist es hier für jeden Gegner unangenehm zu spielen. Was dann zwischen der 53. Und 58. Minute passiert, ist purer Kampf und Wille in der Abwehr. Wir haben uns wirklich die Bälle erkämpft und unser 7-gegen-6 im Angriff zäh und auf den Punkt gespielt. Trotzdem glaube ich, dass das Spiel genauso gut auch 28:31 ausgehen kann. In den letzten Momenten haben wir aber die Ruhe und vielleicht auch die Selbstverständlichkeit das Ding zu ziehen. Ich bin wirklich stolz, dass wir das Spiel gewonnen haben. Der BHC hat in den vergangenen Spielen – Magdeburg vielleicht ausgeklammert – sehr, sehr gute Leistungen gezeigt. Und deswegen bin ich sehr froh, dass wir die Punkte holen.“

Jörg Föste: „In den letzten 15 Minuten hat es die Zwei-Mann-Armee von Lemgo geschafft, aus dem Sieben gegen Sechs ein echtes Mittel zu machen. Tim Suton und Lukas Hutecek haben nahezu fehlerfrei agiert. Sie haben sehr präzise und richtige Entscheidungen getroffen. Wir hatten keinen Zugriff und zeitweise in langen Angriffen auch die Nerven verloren, so dass wir auf Ballgewinne gegangen sind. Da ergeben sich Lücken, die solche Spieler auszunutzen wissen. Der siebte Feldspieler hat den Ausschlag gegeben. Nach 45 oder 48 sehr souverän gespielten Minuten von uns war das entscheidend. Davor haben wir ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht, wir haben viele richtige und gute Entscheidungen getroffen. Von Minute zwei bis acht hatten wir vielleicht die stärkste Sieben-Minuten-Phase der Saison. Aber in den letzten 15 Minuten hatten wir nur zwei Ballgewinne – das ist natürlich zu wenig.“

TBV Lemgo Lippe – Bergischer HC 25:28 (13:14)
TBV Lemgo Lippe: Zecher, Kastelic – Hutecek (6), Theilinger, Zehnder (2/1), Brosch (3), Simak, Laerke, Schagen (2), Carstensen (3), Suton (5), Zerbe (7/3), Versteijnen (2), Houtepen, Petrovsky (1). Trainer: Florian Kehrmann
Bergischer HC: Johannesson, Rudeck, Oberosler – Beyer (1/1), Nothdurft (7), Andersen (4), Stutzke (3), Morante, Babak (1), Arnesson (2), Ladefoged (3), Seesing (2), M´Bengue, Scholtes (1), Fraatz (4), Persson. Trainer: Jamal Naji

Schiedsrichter: Julian Fedtke und Niels Wienrich
Siebenmeter: 4/6 – 1/2
Zeitstrafen: 2 – 4 (Versteijnen, Petrovsky – Nothdurft, Ladefoged, Morante, Stutzke)

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