Solingen. (PM BHC) Mit sieben Toren lag der Bergische HC eine Viertelstunde vor Schluss bereits beim THW Kiel hinten. Doch die Löwen starteten durch... BHC: Nur die Belohnung fehlt

Trainer Filip Jicha – © Sportfoto-Sale (MK)

Solingen. (PM BHC) Mit sieben Toren lag der Bergische HC eine Viertelstunde vor Schluss bereits beim THW Kiel hinten.

Doch die Löwen starteten durch das taktische Mittel des siebten Feldspielers und dank eines starken Abwehr-Torhüter-Pakets ein fulminante Aufholjagd, die sie im letzten Angriff mit einem nicht für möglich gehaltenen Punkt hätten krönen können. Fabian Gutbrod nahm den Wurf, der den Ausgleich bedeutet hätte, scheiterte aber an THW-Schlussmann Niklas Landin, so dass der BHC mit einer hauchdünnen 23:24 (12:15)-Niederlage abreisen musste.

Nach einem solchen Finale hatte es lange überhaupt nicht ausgesehen. Die Bergischen erwischten zwar mit einem treffsicheren Gutbrod den besseren Start in die Partie, hatten aber große Mühe, nachdem die Kieler auf eine 3:2:1-Deckung mit Domagoj Duvnjak auf der Spitze umgestellt hatten. Aus einem 7:5-Vorsprung wurde schnell ein 7:9- und wenig später sogar ein 8:12-Rückstand. In dieser Phase funktionierte bei den Gästen offensiv wenig.

Trainer Sebastian Hinze stellte nun immer wieder auf den siebten Feldspieler um, der für den Torhüter im Angriff auf die Platte ging. Das Mittel hatte Erfolg. Alexander Weck traf im Positionsangriff gute Entscheidungen und war ein wichtiger Faktor auf dem Weg zum 12:15-Halbzeitstand. Den Schwung vor der Pause konnten die Gäste allerdings nicht in die zweite Halbzeit nehmen. Immer wieder vergaben sie nun gute Gelegenheiten und gerieten nach und nach deutlicher in Rückstand.

Als dann auch noch Tom Kare Nikolaisen seine dritte Zeitstrafe kassierte und somit nicht mehr zurückkehren durfte, schien die Partie verloren zu sein. 15:22 stand es eine Viertelstunde vor dem Ende. Doch dann setzten die Deckung und der immer stärker werdende Tomas Mrkva die ersten wichtigen Impulse für eine Aufholjagd, die gegen den THW Kiel in eigener Halle Seltenheitswert haben dürfte. Während der Tscheche hielt, was zu halten war, und bis zum Ende der Partie seine Fangquote auf sensationelle 50 Prozent heraufschraubte, kamen die Gäste mit einem 5:0-Lauf heran. Linus Arnesson, Weck, Jeffrey Boomhouwer, Arnor Gunnarsson und erneut Weck stellten auf 20:22.

In der Folge fehlte den Bergischen sogar noch zwei, drei Mal die Fortune im Abschluss, doch die Kieler strauchelten nun merklich. Sie kämpften sich durch eine doppelte Unterzahl und hatten große Mühe, die Spielwende zu unterbinden. Arnesson gelang es erstmalig, in der zweiten Hälfte auf ein Tor zu verkürzen, Gutbrod schaffte dasselbe beim 23:24 zwei Minuten vor dem Ende. Die Kieler hatten nun die Chance zur Entscheidung, doch Harald Reinkind kassierte ein Stürmerfoul, so dass der letzte Angriff zum möglichen Unentschieden dem BHC gehörte. Würden die Handballer sich für den Kraftakt belohnen und zum ersten Mal gegen den Deutschen Rekordmeister Zählbares gewinnen? Nein. Gutbrods Versuch aus zehn Metern war sichere Beute des Torhüters. Ein Achtungserfolg war die knappe Niederlage trotzdem.

Hinweis: Fest steht inzwischen, dass der Bergische HC das aufgrund eines medizinischen Notfalls abgebrochene Spiel gegen die HSG Wetzlar am Dienstag, 23. November, 19 Uhr in der Solinger Klingenhalle nachholen wird. Tickets behalten ihre Gültigkeit. Wer über das Online-Ticketing gebucht hat, wird seitens der BHC-Geschäftsstelle kontaktiert. Besucher, die ihre Karten an Vorverkaufsstellen erworben haben, können ihre Tickets an der Tageskasse für vergleichbare Plätze in der Klingenhalle eintauschen.

Löwengebrüll – die Stimmen zum Spiel

Sebastian Hinze: „Wir sind gut in das Spiel reingekommen gegen die 6:0-Abwehr, lösen es zunächst auch gut gegen die 3:2:1, haben dann aber drei, vier ganz einfache Ballverluste. Das ist der Unterschied zur Halbzeit. Von Anfang an haben wir die zweite Welle und schnelle Mitte gut verteidigt. Offensiv haben wir mit dem siebten Feldspieler Sicherheit gegen die 3:2:1-Deckung bekommen, Alexander Weck hat gute Entscheidungen getroffen. In der zweiten Hälfte starten wir ebenfalls mit guten Entscheidungen, aber Niklas Landin hat starke Paraden. Das Spiel ist dann eigentlich schon ein bisschen weg, und da muss ich den Jungs ein Kompliment machen, dass sie mit den Paraden von Tomas Mrkva zurück ins Spiel gefunden haben. In den letzten Minuten haben wir überragend gedeckt, und dann kriegen wir die Chance auf einen Punkt hier. Das ist dann sehr schade, dass es nicht klappt. Es wäre natürlich super gewesen, wenn wir die letzte Situation für uns genutzt hätten. Im Großen und Ganzen machen wir aber ein gutes Spiel hier, und dass wir nach minus sieben noch mal zurückkommen, rechne ich den Jungs hoch an.“

Filip Jicha: „Wir haben es 45 Minuten sehr geduldig gemacht. Wir hatten das, was wir gegen den BHC brauchen. In den letzten 15 Minuten habe ich dann sogar ein bisschen Angst gesehen. Ich habe den Jungs gesagt, dass es ein Prozess ist, den wir angehen. Wenn wir uns keine blöden Fehler leisten, werden wir das gut hinkriegen. Aber dann haben wir die Chancen, die wir uns herausgespielt hatten, nicht genutzt. Da war Tomas Mrkva da. Wir hatten in der zweiten Halbzeit eine Effektivität von etwas über 30 Prozent. Das ist viel zu wenig. Deshalb zählen für mich heute die ersten 45 Minuten und, dass wir die beiden Punkte haben.“

Jörg Föste: „Eine sehr überzeugende Abwehrleistung unseres Teams auf allen Positionen ist nicht mit einem durchaus verdienten Punktgewinn belohnt worden. Unsere Angriffs-Disposition gegen Duvnjaks Offensiv-Deckung haben wir erfolgreich mit 7:6-Umstellung gekontert; ein 5:0-Lauf war die Folge. Auch Tom Kare Nikolaisens Ausfall hat uns nicht destabilisiert, Alexander Weck hat das perfekt kompensiert. Unabhängig vom Resultat haben wir heute alles gezeigt, was den BHC ausmacht: Leidenschaft, Einsatzfreude und Glauben an die eigenen Stärken. Was fehlte, war der Punch zum Schluss.“

THW Kiel – Bergischer HC 24:23 (15:12)

THW Kiel: N. Landin, Quenstedt – Duvnjak (6), Wiencek (5), Sagosen (4), M. Landin (3), Reinkind (2), Pekeler (2), Ekberg (2/1), Ehrig, Weinhold, Ciudad, Dahmke, Zarabec, Horak, Bilyk. Trainer: Filip Jicha
Bergischer HC: Rudeck, Mrkva – Boomhouwer (3), Damm, Stutzke (1), Gutbrod (5), Weck (6), Arnesson (4/2), Szücs, Nikolaisen, Bergner, Schmidt, Schönningsen, Gunnarson (1), Hansson (3).
Trainer: Sebastian Hinze
Schiedsrichter: Christian vom Dorff und Fabian vom Dorff Siebenmeter: 1/3 – 2/2 Zeitstrafen: 3 – 4 (Duvnjak, Reinkind, N. Landin – Nikolaisen (3), Szücs) Rote Karte: Nikolaisen (3. Zeitstrafe)


Löwen wollen im Hexenkessel bestehen

Leicht fiel es den Bundesliga-Handballern des Bergischen HC nicht, das 23:24 (12:15) beim THW Kiel abzuhaken. Im letzten Angriff hatten die Löwen die Chance zum Ausgleich, scheiterten aber und mussten ohne Punkte die Heimreise antreten. „Das Tor fehlte zur Krönung“, meinte Trainer Sebastian Hinze, der nach dem Comeback beim Stand von 15:22 dennoch stolz auf seine Mannschaft war. Am Sonntag hat sie bei HBW Balingen-Weilstetten (16 Uhr, Sparkassen-Arena) die nächste Möglichkeit auf Punkte.

Dass das Ergebnis aus Kiel auch ihn geärgert hat, verhehlte Sebastian Hinze nicht. „Wir haben eigentlich auch bis zum Sieben-Tore-Rückstand alles richtig gemacht, was wir uns vorgenommen hatten, waren aber ein Stück weit zu fehlerbehaftet. Aber wir haben Kiel fast alles an zweiter Welle und schneller Mitte weggenommen“, blickt der Coach zurück. „Dass uns die Wende gelingt, liegt daran, dass wir voll da sind. Und dann ist das Momentum auf unserer Seite. Wir waren da, um die Chance zu nutzen. Schade, dass es nicht ganz gereicht hat.“

Lange hadern werden weder Coach noch Team, denn schon am Samstagmittag geht es erneut in den Mannschaftsbus. Die Reise zu HBW Balingen-Weilstetten steht auf dem Programm. Die Gallier von der Alb stehen derzeit mit vier Punkten auf dem vorletzten Platz und werden sich vor heimischen Publikum gegen die Löwen voraussichtlich etwas ausrechnen. „Zu Hause agieren sie in dieser Saison stabiler als auswärts“, ist Hinze überzeugt. Die beiden einzigen Saisonsiege gelangen im heimischen Hexenkessel gegen Hannover und Minden. Am Donnerstag unterlag das Team von Coach Jens Bürkle knapp mit 23:25 gegen den HC Erlangen. „Es war ein unheimlich kampfbetontes Spiel von beiden Seiten. Sie hatten im Vorfeld Zeit, neue Dinge vorzubereiten, und haben das auch gemacht. Es gibt ein paar Kleinigkeiten speziell im Angriff, auf die wir uns vorbereiten müssen.“

Grundsätzlich müssen die Balinger den Ausfall von Lukas Saueressig (Armbruch) kompensieren. „Im Rückraum haben sie nun auch offensiv mit Daniel Ingason agiert. Ich muss sagen, dass mir das leider gut gefallen hat“, sagt Hinze über die Achse mit Vladan Lipovina und Jona Schoch. In den letzten Minuten gegen Erlangen setzte HBW zudem wieder auf den siebten Feldspieler, den sie in der vorigen Saison sehr häufig genutzt hatten. „Damit hatten wir im Rückspiel große Probleme“, erinnert sich der Coach.

Trotz der Niederlage in Kiel dürfte das Selbstvertrauen der Löwen groß sein. Zudem sind sie in Balingen eigentlich favorisiert – wenn nicht die kurze Vorbereitung wäre. Nur eine echte taktisch geprägte Halleneinheit bleibt den Bergischen am Samstagmorgen, während am Freitag vor allem Regeneration und Video auf dem Programm standen. „Wenn es uns gelingt, in der hitzigen Balinger Atmosphäre stabil in der Deckung aufzutreten und den Gegner immer wieder vor Aufgaben stellen, werden wir unsere Möglichkeiten haben“, ist sich der Trainer sicher. Der BHC-Kader wird sich voraussichtlich nicht ändern. Tomas Mrkva hat mit Knieproblemen gespielt, brachte es aber trotzdem auf eine Fangquote von 50 Prozent. „Trotzdem mussten wir abklären lassen, was er hat“, erläutert Hinze und gibt eine verhaltene Entwarnung: „Ein schwere Verletzung ist es nicht. Wenn er am Samstag trainieren kann, fährt er mit.“ Fehlen werden allerdings weiterhin Tomas Babak und Max Darj.

sportstimme

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